2010 "Maria Tudor"

Theaterpreis

Wir haben uns mit unserem Stück "Maria Tudor" bei dem Amateurtheaterfestival des Rhein-Pfalz-Kreis "Nah dran - Spot an!" beworben.


Eine zehnköpfige Fachjury wählte unser Stück aus zwanzig Bewerbern aus der Metropolregion unter die besten drei! Wir haben ein Preisgeld in Höhe von € 1.000,00 gewonnen und durften am 15. Oktober 2010 in Maxdorf noch einmal unser Stück aufführen.

Laudatio der Jury

anlässlich der Preisverleihung bei den Amateurtheatertagen 2010 des Rhein-Pfalz-Kreises "Nah dran - Spot an!"

von Antje Reinhard, Jurymitglied


... last but not least komme ich zum dritten ersten Sieger des Wettbewerbs, "Maria Tudor" von Victor Hugo, bearbeitet und inszeniert von Matthias Paul und präsentiert von der "Theaterinitiative Ladenburg" und dem Zeichner Mehrdad Zaeri.


Sich ein Drama mit historischem Hintergrund auszuwählen, das gleich mit zwei Epochen umgehen muss, dem 16. Jahrhundert, in dem es spielt, und dem

19. Jahrhundert, aus dem es sich die Sprache geliehen hat, das ist eine Herausforderung, für die es Mut und Selbsvertrauen braucht im Theaterjahr 2010. Und um es gleich vorweg zu sagen, der Regisseur und seine Truppe haben sich tapfer geschlagen!


Victor Hugos dramatisches Konzept und sein gesellschaftspolitisches Interesse verlangen ihr Recht und wollen zugleich ins 21. Jahrhundert gebracht werden, und Georg Büchners, des Übersetzers wundervolle Sprache ist klar und trotzdem voller Subtext. Sie will klingen und gespielt sein und fragt nicht nach Amateur oder Profi ... Matthias Paul hat den Text bearbeitet, gestrichen, verdichtet. Statt in üppiger Ausstattung zu schwelgen, setzt er ganz auf sparsame Stilisierung. In einem klaren Anfangstableau stellt er nicht nur die Dramatis Personae vor, die handelnden Figuren, sondern er liefert uns zugleich die Exposition des Stücks.


Und auf der zweiten Ebene macht er uns darüber hinaus sofort vertraut mit seiner szenographischen Arbeitsweise: Er verlässt sich dabei ganz auf die Projektionen von Mehrdad Zaeri, die ein klassisches Theaterdekor ersetzen. Damit gewinnt die Regie im konkreten Wortsinn SpielRaum. Nichts lenkt das Publikum oder die Schauspieler ab. In diesem kargen Raum ist Platz für eine feine Personenführung. Konstellationen, Nähe, Distanz, Gesten, Blicke, ein Ausweichen der Augen, alles wird sichtbar und richtet das Brennglas des Psychologen auf die Akteure dieses Dramas, und wir begreifen, warum sie tun oder lassen, was sie tun oder eben nicht . Hier kann sich Spiel entfalten, und der Text unterm Text, von dem ich vorhin sprach.


Und die Schauspieler, allen voran die Königin, Gilbert und Simon Renard, aber auch die anderen des ziemlich geschlossen agierenden Ensembles, nutzen die Gelegenheiten, die sich ihnen bieten. So gelingt es, auch Momente der Statik unmerklich in Spannung übergehen zu lassen, den Spielfluss voranzutreiben und den Zuschauer, die Zuschauerin hineinzuholen in die Geschichte.


Dazu tragen ganz wesentlich die subtil ausgewählte Musik bei und natürlich vor allem die Lichtzeichnungen, die vor unseren Augen entstehen und wieder vergehen. Sie führen uns in die Seelenräume der Figuren und buchstabieren eine Wahrheit hinter dem gesprochenen Wort, die dieses nie erreichen kann.


"Maria Tudor" in der Interpretation der Theaterinitiative Ladenburg, in der Interpretation von Matthias Paul und Mehrdad Zaeri, ist Theater, das berührt. Ein schöneres Kompliment kann man, zumindest nach meinem Dafürhalten, Theatermachern nicht angedeihen lassen. Herzlichen Glückwunsch! ...